Eine Weltgruppe

Seit Jahrzehnten engagieren sich die beiden Brüder Franz und Johannes Rauch mit ihren Familien und Verbündeten im Land für Sozialprojekte in Afrika. Als solches wurde auch die „Eine Weltgruppe Schlins | Röns“ ins Leben gerufen. 100.000 Menschen in 60 Dörfern im Umkreis von 35 Kilometern in der südtansanischen Pfarrei Mdabulo dürfen durch die Unterstützung auf bessere Lebensbedingungen hoffen.

Die Vorarlberger Hilfsorganisation “Eine Weltgruppe Schlins|Röns” unterstützt den Aufbau und die Durchführung verschiedener Projekte in ländlichen Regionen. Neben landwirtschaftlichen Beratungsaufgaben werden auch Handwerksschulen für Schulabgänger und der Aufbau von Kindergärten unterstützt. Die Aids-Problematik und die spezielle Lebenssituation von Aids-Waisenkindern in Mdabulo ist ein besonderes Thema. Die rasante Verbreitung von Aids und die katastrophale Lage der Aids-Waisenkinder in den Dörfern macht betroffen. Diese Kinder leben oft allein, ohne Erwachsene oder in den Lehmhütten ihrer verstorbenen Eltern. Großeltern kümmern sich so gut es geht, sind meist selber krank oder alt. Die Kinder schlafen oft in der Nachbarschaft und müssen für ihr Essen selber aufkommen. Deshalb ist die Zahl der Aids-Waisen steigend – bis zu 45 Prozent in Schulen. Durch Patenschaften kann diesen Kindern geholfen werden. 450 Vollwaisenkinder in 45 Dörfern werden bereits unterstützt.

Die Geschwister Brigitta Tomaselli, Franz und Johannes Rauch aus Schlins berichteten im KirchenBlatt-Interview über ihre Arbeit in Tansania – das diesjährige  Beispielprojekt für “Bruder und Schwester in Not”:

In der „Nacht für Afrika“ der „Eine Welt-Gruppe Schlins-Röns“ hielten Sie einen Vortrag „Warum helfen?“. Können Sie uns die Gründe nennen, warum Sie sich hier engagieren?
Johannes Rauch: Es ist eine zutiefst menschliche Grundmotivation, sich über die „eigene Welt“ hinaus für andere oder für eine Sache einzusetzen. Armut und Elend werden von allen Betroffenen dieser Welt entwertend und entwürdigend erlebt. Wir sehen unsere Hilfe als sinnvoll an, weil sie gerade aus dem Modus der Sorge entsteht und weniger aus Mitleid. Hilfe aus Mitleid ist oberflächlich und oft kurzsichtig. Die sorgende Hilfe vermittelt Selbstwert,  vor allem für den Betroffenen, aber auch für den Sorgenden. Sie lässt auch die Probleme, gerade bei unserem Projekt, in einem tieferen Zusammenhang erkennen.

Brigitta Tomaselli schreibt: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann können wir die Welt verändern.” Ist das auch ihre Motivation?
Franz Rauch: Ja – wir tragen in der globalisierten Welt zunehmend Verantwortung dafür, dass es nicht nur uns, sondern allen auf dieser Welt gut geht. Ein Beispiel ist der Klimawandel, der viele afrikanische Regionen besonders hart trifft, so gibt es in Mdabulo in den letzten Jahren deswegen zunehmend Missernten und folglich Hunger. Der weltweite Klimawandel wird hauptsächlich durch die Industriestaaten verursacht. Afrika trägt nur 4 % zu diesem Klimawandel bei. Ich habe viele gute Erfahrungen in Afrika gesammelt und dabei die Leute und die Länder schätzen gelernt.

Warum haben Sie gerade dieses Dorf  Mdabulo in Tansania für ihre Hilfe ausgewählt?
Franz Rauch: Mdabulo im südlichen Hochland von Tansania in der Region Iringa ist ein sehr abgelegenes, ländliches Gebiet, dicht besiedelt und  sehr hügelig. Zudem gibt es dort keine anderen ausländischen Hilfsprojekte.

Wie charakterisieren Sie die gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische Situation der Pfarre Mdabulo?
Franz Rauch: Die Pfarre Mdabulo ist eine, auch für afrikanische Verhältnisse, große ländliche Pfarrei mit ca. 20.000 Katholiken und 19 Außenstationen. Sie wird derzeit von einem einzigen afrikanischen Priester betreut. In Tansania reicht die politische Verwaltungsstruktur nicht bis in die einzelnen Dörfer. Auf der untersten politischen Ebene gibt es nur s.g. Wards, in denen mehrere Dörfer zusammengeschlossen werden. Die einzigen Arbeitsplätze gibt es in großen Teeplantagen, die zu  internationalen Konzernen  gehören. Die Arbeiter werden schlecht bezahlt und z. B. durch Einsatz von Pflückmaschinen stark reduziert. Weit über 90 % der Bevölkerung lebt von der Subsistenz-Landwirtschaft (Selbstversorgung).

Schlinser Projekte gibt es in den Bereichen Landwirtschaft, Handwerk, Waisenhilfe und Kindergarten. Können Sie diese kurz beschreiben. Welches ist das Wichtigste?
Franz Rauch: Vor 6 Jahren haben wir mit einem landwirtschaftlichen Beratungsprojekt begonnen, mit dem Ziel durch Erosionsschutz-Maßnahmen und Einführung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Anbausystemen zur Verbesserung der Ernährungsgrundlage beizutragen. Die weiteren Projekte, wie Förderung der handwerklichen Ausbildung der Jugendlichen,  Errichtung von Kindergärten , Unterstützung der Volksschulen und schließlich seit Jänner 2008 das Hilfsprojekt für die vielen Aidswaisenkinder, welches Vorarlberger Projektbesucher initiierten.  Im Sinne eines ländlich integrierten Entwicklungshilfeansatzes sind alle Projekte wichtig.  Ausschlaggebend ist  dabei , dass die lokalen Entscheidungsträger  in der Pfarrei, auf der politischen Ebene und in den Schulen in diese Projekte integriert sind.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in Afrika?
Franz Rauch: Ich habe und hatte immer wieder schöne Erlebnisse in Afrika. Eines der schönsten Erlebnisse hatte ich heuer im August, als ich die stille Freude und die leuchtenden Augen der Aidswaisenkinder beim Verteilen von Schuluniformen und Kochöl beobachten konnte.

Wie gestaltet sich „ein Tag im Leben eines Waisenkindes“, wie in einem gleichnamigen Film bei der „Nacht für Afrika“ zu sehen war?
Brigitta Tomaselli: Neben der Trauer des Elternverlustes sind Waisen oft allein für ihr Leben verantwortlich oder bestenfalls  sorgen sich noch Großeltern, die aber wegen der eigenen Not oftmals überfordert sind. Nachts können sie bei Nachbarn schlafen,  aber für das Essen dort reicht es nicht. Die Folge des chronischen Hungers sind nicht nur körperliche Mangelerscheinungen, sondern auch das Gefühl, dass das eigene Leben wertlos ist. Durch unser Projekt erhalten die Kinder regelmäßig Öl und Salz, wegen der erfolgten Missernten derzeit auch noch Mais, wenn nötig, eine neue Schuluniform, die die Schülerinnen der Nähschule herstellen.

Sie sprechen von 4000 Aidswaisenkindern in der Region, können aber „nur“ 400 für das nächste Jahr versorgen. Wie werden die “unterstützungswürdigen” Kinder bestimmt?
Franz Rauch: Wir haben beim Waisenkinderprojekt wie bei allen anderen Projekten von Anfang an lokale Entscheidungsstrukturen aufgebaut. Mit 16 Volksschulen und Dörfern arbeiten wir inzwischen zusammen.  Diese Dorfkomitees, die mit Lehrern und Frauen aus dem Dorf, zusammengesetzt sind, wählen jeweils die bedürftigsten Kinder aus. Derzeit können wir nur Vollwaisenkinder unterstützen.

Wie ist die Resonanz auf ihre tansanischen Projekte bei uns hier in Vorarlberg?
Franz Rauch: Unsere Benefizveranstaltung „Nacht für Afrika“ hat gezeigt, dass sich viele Leute von diesen Problemen in Afrika berühren lassen und mitfühlen.  Das Land Vorarlberg unterstützt unsere Projekte seit vielen Jahren. Als kleine Initiative sind wir noch nicht so bekannt, aber durch unsere Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir dieses Projekt bei immer mehr Leuten bekannt zu machen, um noch mehr Unterstützung zu bekommen.

Kontakt: Franz Rauch, Torkelweg 10, 6824 Schlins
mailto:    einewelt.sr@gmail.com
Von Marianne Springer veröffentlicht am 12.12.2008

Spendenkonto:
Eine Weltgruppe Schlins | Röns
Kontonummer: 2 434 793
BLZ:       37 458 Raiba Walgau-Großwalsertal
IBAN:   ATU 33745 8000 0243 4793
BIC:       RVVGAT2B458

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